MORPHEUS
Zehn Horrorgeschichten rund um das Weiße Album und die dunkle Seite.
Die Geschichte von dem Fenster, durch das man in die Zukunft sah
Die Geschichte von dem Lord und seiner letzten Großwildjagd
Die Geschichte von der Frau, die es zu oft gab
Die Geschichte von dem Pfarrer, der eine Beichte ablegte
Die Geschichte vom Club der Erfrorenen
Die Geschichte von dem Blues in der Nacht
Die Geschichte von dem Mann, der es an Aufmerksamkeit fehlen ließ
Die Geschichte von dem Mann, der etwas versprach
Die Geschichte vom Großen Schlaf und dem Mann, der so müde war
HORROR STORIES umfasst einen Zyklus von Kurzgeschichtensammlungen.
Das Genre „Horror“ wird dabei weitläufig interpretiert; die Grenzen zu „Thriller“, „Fantasy“ und „Science-Fiction“ bleiben fließend. Konzeptionell stellen die gesamten Buchtitel einen Bezug zur griechischen Mythologie her, die in ihrer Vielfalt dem Horrorgenre thematisch seit jeher reichlich Inspiration liefert.
Leseprobe aus Empathie
„Wie schön, Sie zu sehen“, murmelte Sir Barlow matt. „Wo ist mein Nashorn?“
„Wie schön, dass Sie ihren Humor noch nicht verloren haben, Sir“, erwiderte Landhofer und lächelte immer noch. „Ihr Engländer seid ein lustiges Völkchen, wie ich immer wieder feststelle.“
Sir Barlow wollte gerade eine passende Bemerkung die Deutschen betreffend loswerden, als er merkte, dass er auf einem Tisch festgeschnallt war und weder Arme noch Beine frei bewegen konnte.
„Was, zur Hölle, haben Sie mit mir vor?“, krächzte er. Seine Kehle war trocken und verlangte nach Wasser. Besser noch: gutem Scotch.
„Was soll das Ganze? Wollen Sie mehr Geld? Ein saftiges Lösegeld gar?“ Sir Barlow lachte bitter auf. „Bedauerlicherweise zähle ich mittlerweile zum verarmten Adel, müssen Sie wissen. Ich bin pleite, wie man so sagt.“
Landhofer lachte ebenfalls, und mit etwas Verspätung fielen mehrere Männer, die Sir Barlow bisher noch nicht wahrgenommen hatte, in das Lachen ein und grölten ausgelassen. Er drehte seinen Kopf ein wenig zur Seite und sah, dass es die Bewaffneten waren, mit denen Landhofer ihm gefolgt war. Die jetzt in der kleinen Wellblechhütte verteilt herumstanden, ihre Maschinenpistolen im Anschlag. Dass diese Dinger gut funktionierten, hatte er ja bereits erleben dürfen.
„Nein, das sind Sie nicht“, widersprach Landhofer freundlich. „Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Sie verfügen über ein beachtliches Vermögen, für das Sie zeitlebens keinen Finger rühren mussten, und sind somit in der Lage, sich kostspielige Safaris mit noch kostspieligeren Abschusslizenzen zu gönnen – nur für den Fall, dass Sie ihren Besuch in meinem Büro inzwischen vergessen haben.“
„Das war …“
„Das war genau die richtige Entscheidung gewesen“, fiel ihm Landhofer ins Wort. „Sie müssen nämlich wissen, dass Menschen Ihrer Sorte zwar nicht zu meinen liebsten, aber dafür zu meinen besten Kunden zählen und immer das erhalten, für das sie bezahlt haben … irgendwie zumindest.“
Der Deutsche entnahm dem Koffer, den ihm einer der Afrikaner geöffnet entgegenhielt, einen Gegenstand und wog ihn prüfend in der Hand. Gleich darauf wandte er sich wieder dem Gefesselten zu, der vergeblich an den Lederriemen zerrte.
„Geschätzter Mr. Barnow, Verzeihung: Sir“, sagte er im Plauderton, „ist Ihnen die Bezeichnung Deutsche Wertarbeit geläufig?“
„Nein“, log Sir Barlow trotzig. Die erneute Verunglimpfung seines Namens überging er nonchalant.
„Ausgezeichnet“, freute sich Landhofer, als hätte der Engländer das Gegenteil gesagt, und präsentierte das mintgrüne Ding aus dem Koffer.
„Hierbei handelt es sich um ein hochwertiges Produkt eines deutschen Herstellers, welcher schon seit vielen Jahren Elektrowerkzeuge von allerbester Qualität und höchster Lebensdauer auf den Markt bringt“, stellte er das Gerät vor, als ginge es darum, es seinem Gesprächspartner zu verkaufen.
„Was … tut man damit so alles?“, erkundigte sich der in handwerklichen Dingen gänzlich unbedarfte Engländer.
Zehn Horrorgeschichten rund um das Weiße Album und die dunkle Seite.
Die Geschichte von dem Fenster, durch das man in die Zukunft sah
Die Geschichte von dem Lord und seiner letzten Großwildjagd
Die Geschichte von der Frau, die es zu oft gab
Die Geschichte von dem Pfarrer, der eine Beichte ablegte
Die Geschichte vom Club der Erfrorenen
Die Geschichte von dem Blues in der Nacht
Die Geschichte von dem Mann, der es an Aufmerksamkeit fehlen ließ
Die Geschichte von dem Mann, der etwas versprach
Die Geschichte vom Großen Schlaf und dem Mann, der so müde war
HORROR STORIES umfasst einen Zyklus von Kurzgeschichtensammlungen.
Das Genre „Horror“ wird dabei weitläufig interpretiert; die Grenzen zu „Thriller“, „Fantasy“ und „Science-Fiction“ bleiben fließend. Konzeptionell stellen die gesamten Buchtitel einen Bezug zur griechischen Mythologie her, die in ihrer Vielfalt dem Horrorgenre thematisch seit jeher reichlich Inspiration liefert.
Leseprobe aus Empathie
„Wie schön, Sie zu sehen“, murmelte Sir Barlow matt. „Wo ist mein Nashorn?“
„Wie schön, dass Sie ihren Humor noch nicht verloren haben, Sir“, erwiderte Landhofer und lächelte immer noch. „Ihr Engländer seid ein lustiges Völkchen, wie ich immer wieder feststelle.“
Sir Barlow wollte gerade eine passende Bemerkung die Deutschen betreffend loswerden, als er merkte, dass er auf einem Tisch festgeschnallt war und weder Arme noch Beine frei bewegen konnte.
„Was, zur Hölle, haben Sie mit mir vor?“, krächzte er. Seine Kehle war trocken und verlangte nach Wasser. Besser noch: gutem Scotch.
„Was soll das Ganze? Wollen Sie mehr Geld? Ein saftiges Lösegeld gar?“ Sir Barlow lachte bitter auf. „Bedauerlicherweise zähle ich mittlerweile zum verarmten Adel, müssen Sie wissen. Ich bin pleite, wie man so sagt.“
Landhofer lachte ebenfalls, und mit etwas Verspätung fielen mehrere Männer, die Sir Barlow bisher noch nicht wahrgenommen hatte, in das Lachen ein und grölten ausgelassen. Er drehte seinen Kopf ein wenig zur Seite und sah, dass es die Bewaffneten waren, mit denen Landhofer ihm gefolgt war. Die jetzt in der kleinen Wellblechhütte verteilt herumstanden, ihre Maschinenpistolen im Anschlag. Dass diese Dinger gut funktionierten, hatte er ja bereits erleben dürfen.
„Nein, das sind Sie nicht“, widersprach Landhofer freundlich. „Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Sie verfügen über ein beachtliches Vermögen, für das Sie zeitlebens keinen Finger rühren mussten, und sind somit in der Lage, sich kostspielige Safaris mit noch kostspieligeren Abschusslizenzen zu gönnen – nur für den Fall, dass Sie ihren Besuch in meinem Büro inzwischen vergessen haben.“
„Das war …“
„Das war genau die richtige Entscheidung gewesen“, fiel ihm Landhofer ins Wort. „Sie müssen nämlich wissen, dass Menschen Ihrer Sorte zwar nicht zu meinen liebsten, aber dafür zu meinen besten Kunden zählen und immer das erhalten, für das sie bezahlt haben … irgendwie zumindest.“
Der Deutsche entnahm dem Koffer, den ihm einer der Afrikaner geöffnet entgegenhielt, einen Gegenstand und wog ihn prüfend in der Hand. Gleich darauf wandte er sich wieder dem Gefesselten zu, der vergeblich an den Lederriemen zerrte.
„Geschätzter Mr. Barnow, Verzeihung: Sir“, sagte er im Plauderton, „ist Ihnen die Bezeichnung Deutsche Wertarbeit geläufig?“
„Nein“, log Sir Barlow trotzig. Die erneute Verunglimpfung seines Namens überging er nonchalant.
„Ausgezeichnet“, freute sich Landhofer, als hätte der Engländer das Gegenteil gesagt, und präsentierte das mintgrüne Ding aus dem Koffer.
„Hierbei handelt es sich um ein hochwertiges Produkt eines deutschen Herstellers, welcher schon seit vielen Jahren Elektrowerkzeuge von allerbester Qualität und höchster Lebensdauer auf den Markt bringt“, stellte er das Gerät vor, als ginge es darum, es seinem Gesprächspartner zu verkaufen.
„Was … tut man damit so alles?“, erkundigte sich der in handwerklichen Dingen gänzlich unbedarfte Engländer.


